Anmelden

Anmelden

Passwort vergessen?

JavaScript ist deaktiviert oder funktioniert nicht einwandfrei.

Fahrbericht

 Neu und Clever
Honda

Honda NC 700 X Neu und Clever

28.11.2011

mid Lagos/Portugal - Herzstück ist ein neuer Antrieb in Form eines flüssigkeitsgekühlten Reihen-Zweizylinders mit 700 ccm Hubraum und einer Vielzahl Eigenheiten.


Honda hat jüngst in Mailand seine neue Modellfamilie präsentiert, die einen ganz anderen Entwicklungsansatz verfolgt als die bisherigen Modelle des japanischen Zweiradgiganten: Statt mehr Leistung und weniger Gewicht haben für die New Concept-Modelle der sparsame Umgang mit Ressourcen und eine kostendämpfende Fertigung als oberste Ziele im Lastenheft gestanden. Da kommt als allererstes natürlich das Baukastenprinzip zum Tragen, wie man es aus dem Automobilbau kennt: Gleiche Plattform für unterschiedliche Modelle, doch so konsequent angewandt wie bislang noch nie im Motorradbau. Motor, Rahmen, Räder, Tank und vieles mehr sind bei allen drei Modellen identisch, Unterschiede gibt es nur bei der Ergonomie und den Kunststoffteilen. Daher ist es verblüffend, wie verschieden die drei NC-Modelle geraten sind: Der Integra ist ein Roller-Motorrad-Zwitter, die NC 700 S ein Naked Bike, und mit der NC 700 X gibt ein Einsteigerbike im Endurostil die erste Visitenkarte der Familie ab - ab Ende Dezember sind sie beim Honda-Händler zu erfahren.Herzstück und Ausgangspunkt für alle ist ein neuer Antrieb in Form eines flüssigkeitsgekühlten Reihen-Zweizylinders mit 700 ccm Hubraum und einer Vielzahl Eigenheiten. So sind die Zylinder des Reihentwin um 62 Grad nach vorne geneigt, was eine gute Schwerpunktlage und niedrige Einbauhöhe möglich macht. Mit langhubiger Auslegung bei einem Bohrungs-Hub-Verhältnis von 73 zu 80 mm schafft der Antrieb mit Einspritzung und Vierventiltechnik 48 PS bei 6 250 U/min und ein kräftiges Drehmoment von 60 Nm bereits bei 4 750 Touren. Damit ist er perfekt auf die ab 2013 gültige Führerscheinregelung abgestimmt, die Einsteigern maximal 35 kW/48 PS erlaubt. Für die Übergangszeit im nächsten Jahr wird es einen Drosselsatz geben. Zur Kostenminimierung haben die Japaner bei Konzeption, Fertigung und Komponenten zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen: Um die Zahl der Bauteile im Motor zu verringern, werden Öl- wie Wasserpumpe direkt angetrieben. Statt der bei Mehrzylindermotoren üblichen Bauweise von einer Einspritzdüse samt Drosselklappe je Zylinder genügt dem NC-Motor eine Drosselklappe, hinter der sich der Einlasskanal gabelt, für beide Zylinder. Auspuffseitig entfällt ein Krümmer, vom Auslass führt direkt ein dickes Rohr zum Katalysator und weiter zum Schalldämpfer. Zulieferteile wie die Getriebezahnräder kommen nun auch aus dem preiswerten China. Als weitere Besonderheit kann die neue Kraftquelle wahlweise mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe oder gegen Aufpreis von 1 000 Euro mit dem Honda-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) der zweiten Generation kombiniert werden, das allerdings erst im März 2012 zu haben ist.Über den Motor zieht sich ein Stahlrohr-Brückenrahmen, der das Triebwerk mittragend aufnimmt und einen Sitz in moderaten 830 Millimeter Höhe bietet. Darauf sitzt es sich sehr bequem und aufrecht, der Lenker liegt locker zur Hand und alle Armaturen sind Honda-typisch griffgünstig gelegen. Nach dem Druck aufs Knöpfchen klingt und pulsiert der NC-Twin nicht weichgespült, sondern lebendig wie ein Vau-Motor, das macht der Kurbelwellenversatz von 270 Grad. Ungemein gleichmäßig entwickelt das Triebwerk seine Kraft und erlaubt so frühes Hochschalten und eine drehzahlreduzierte Fahrweise. Das erleichtert genussvolles Kurvenswingen und das entspannte Meistern des alltäglichen Verkehrsgewühls, da man seine Aufmerksamkeit nicht mehr dem Motor widmen muss. Alte Hasen ertappen sich jedoch dabei, dass sie auf der Suche nach dem maximalen Vortrieb öfters im schon bei rund 6 500 Touren einsetzenden Begrenzer landen und so die Vorteile des gleichförmigen Charakters gar nicht ausnutzen.Die Grundkonstruktion des Motors ist zudem auf eine besonders effektive Kraftstoffausnutzung ausgelegt, was zusammen mit der Motorcharakteristik für einen sehr geringen Kraftstoffkonsum sorgt. Das scheint der Durchschnittskonsum von unter fünf Litern bei unseren flotten Testfahrten zu belegen. So unproblematisch der Motor, so lässig das Fahrverhalten. Spielerisch folgt die vollgetankt mit 218 Kilo durchaus leichtgewichtige NC den Befehlen des Piloten und erfreut mit kinderleichter Handlichkeit. Fast wie ein Fahrrad biegt sie um Ecken und lässt sich ohne Überredungskunst zum beschwingten Kurventanz überreden. Die tiefe Einbaulage des Triebwerks fördert die Agilität, beschert der NC aber eine leichte Tendenz zum Untersteuern in Kurven. Dagegen hilft etwas mehr Schräglage. Insgesamt zeigt sich die 700er ausreichend stabil, auf unebenem Geläuf und über Kopfsteinpflaster machen die sanft dämpfenden Federelemente mit recht langen Federwegen eine komfortable Fahrt möglich. Erst bei beherztem Angasen versierter Biker gerät das Ensemble an seine Grenzen. Erfahrene und Neulinge freuen sich unisono über die serienmäßige bewährte Integralbremse mit ABS, die jederzeit effektives und sicheres Stoppen ermöglichen.Den Komfort machen ein überraschend guter Windschutz hinter der kleinen verstellbaren Scheibe und ein riesiges 21-Liter-Staufach unter der Tankattrappe komplett, das einen Helm oder Rucksack aufnehmen kann. Natürlich becirct die NC 700 X nicht mit edlen Komponenten, aber ihre Verarbeitung macht einen guten Eindruck und dazu darf sie als Paradebeispiel dafür gelten, wie man mit simplen, aber funktionierenden Bauteilen und einer darauf abgestimmten Entwicklung ein unglaublich kostengünstiges Alltagsmotorrad auf die Räder stellen kann. Und - das ist das Wichtigste - bei dem trotz des Preises von bloß 5 990 Euro der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt. Thilo Kozik/midTeststeno:Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Reihenzweizylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, ohc, Hubraum 670 ccm, Bohrung x Hub 73 x 80 mm, max. Leistung 35 kW/48 PS bei 6 250 U/min, max. Drehmoment 60 Nm bei 4 750 U/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, Sechsganggetriebe, Kettenantrieb, Stahlrohr-Brückenrahmen, Teleskopgabel vorn, Zweiarmschwinge mit angelenktem Federbein hinten, zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten, Combined-ABS, Reifen vorn 120/70 ZR17, hinten 160/60 ZR17, Sitzhöhe 830 mm, Tankinhalt 14,1 l, Gewicht vollgetankt 218 kg, zul. Gesamtgewicht 427 kg, Preis 5 990 Euro
Motorsport News powered by motograndprix.de:

Anzeige

Ein Kommentar zu diesem Bericht schreiben
Schreiben Sie ein Kommentar zu dem Artikel
(Wird nicht veröffentlicht)
check_image
(500 Zeichen sind noch verfügbar)